Wiederholte Verrenkung der Kniescheibe

Rezidiv. Patellaluxation

Die rezidiv. Luxation der Kniescheibe beruht in den meisten Fällen auf einer anlagebedingten, d. h. angeborenen Fehlgestaltung der Kniescheibe und ihrer Gleitrinne. Durch ein Wegknicken im Knie nach außen oder durch eine Verdrehung rutscht die Kniescheibe nach außen und reponiert sich meist beim Strecken spontan wieder in ihre Gleitrinne. Dabei reißt in den meisten Fällen der Kapselbandapparat an der Innenseite der Kniescheibe ein. Durch die Reposition kann es zum Abscheren von Knorpel unter der Kniescheibe oder der Außenseite der Gleitrinne kommen.

Neben einer Röntgenaufnahme sollte nach der Verletzung eine Kernspinaufnahme des Gelenkes durchgeführt werden, um die Gelenksituation beurteilen zu  können. In den meisten Fällen erfolgt nach einer Erstluxation eine konservative Behandlung mittels Schiene oder Spezialbandage. Kommt es dann zum Wiederholten Verrenken der Patella, sollten operative Maßnahmen angestrebt werden, um weitere Luxationen und damit auch das Risiko von Knorpelschäden zu vermeiden.

 

Dazu stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung:

Bei einem Abriss des Kapselbandapparates an der Kniescheibe kann dieser auf arthroskopischem Wege wieder an der Kniescheibe befestigt werden (Arthroskopische Retinakulum-Refixation). Ist diese erhalten aber nur ausgedünnt kann sie auch bei einem arthroskopischen Eingriff gerafft werden.

 

Bei stärkerer Fehlanlage der Kniescheibe, oft verbunden mit einem stärkeren X-Bein mit einer Verlagerung der Patella nach außen ist dies jedoch oft nicht ausreichend, so dass eine Rekonstruktion dieses Bandes angestrebt werden muss.

Dieses Band ( Mediales Patellofemorales Ligament) wird dann durch eine körpereigene Sehne verstärkt oder ersetzt. Dazu wird die Gracilis-Sehne, eine der Adduktorensehnen, die an der Oberschenkelinnenseite verläuft ersetzt. Probleme nach Sehnenentnahme sind ganz extrem selten. Das neue Band wird dann im Oberschenkel und der Kniescheibe mit resorbierbaren Implantaten verankert, die sich nach ca. 3 Jahren auflösen. Durch diese stabile Fixierung ist eine Übungsstabilität gegeben. Diese OP heißt MFPL-Plastik.

 

 

Bild des anatomischen Ersatzes des MPFL durch Gracilissehne

 

Bild Fa. Arthrex

   

 

 

Weitere Nachbehandlung:

Nach der OP wird eine bewegliche Schiene angepasst, die insgesamt 6 Wochen nach der Operation getragen werden muss. Sie ist in dieser Zeit auf 90 Grad Beugung limitiert. Sie sollte ständig, das heißt Tag und Nacht getragen werden. Lediglich zur Krankengymnastik und zur Körperpflege kann sie abgenommen werden.

 

Wie lange das operierte Knie entlastet werden muss, hängt von den Begleitverletzungen ab und wird Ihnen vom Operateur mitgeteilt. In der Regel soll das Knie mit 2 Gehstützen für 2-3 Wochen nach der Operation teilentlastet werden mit erlaubtem Sohlenkontakt von ca. 10 bis 15 kg Belastung. Danach kann allmählich zur Vollbelastung übergegangen werden, je nach subj. Beschwerden, Gelenkbefund und Beweglichkeit.

 

Krankengymnastik:

Eine effiziente Nachbehandlung ist genauso wichtig wie eine gut durchgeführte Operation, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Natürlich ist es schwierig, ein Schema für alle Fälle zu erstellen. Die nachfolgenden Rehabilitationsschritte sollten daher nur als grobes Schema für die Nachbehandlung angesehen werden.

Ab dem 1. postoperativen Tag ist eine aktive Quadrizepsübung von 0° bis 90° ermöglicht.

Nach 6 Wochen kann die Bewegung freigegeben und mit leichten Aktivitäten wie Laufen

oder Fahrrad fahren begonnen werden.

 

Sportliche Aktivitäten:

Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme der vollen sportlichen Aktivität hängt von verschiedenen Faktoren ab nämlich Sportart, Sportniveau, Stabilität und Begleitläsionen im Gelenk. Jedoch sollte vor einer Wiederaufnahme der sportlichen Aktivitäten bei Kontaktsportarten d. h. verletzungsgefährdeten Sportarten nicht vor 3 Monaten begonnen werden.